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Sie erscheint tapfer und zugleich zart, wenn sie Ronja Räubertochter spricht - jenes Mädchen, das neugierig durch den Wald streunt und gelegentlich sogar ihrem Vater, dem mächtigen Banditenführer Mattis, trotzt. Wenn Peppa Wutz gesprochen wird, hebt sich ihre Stimme, nimmt einen jugendlicheren und aufgeregten Klang an, ähnlich wie der Trickfilm-Schweinkönigin es eigen ist. Im Gegensatz dazu hat Asya Tolaz, eine bereits bei 13 Jahren talentierte Synchronsprecherin vieler bekannter Filme und Serien, ein besonderes Faible für die Tätigkeit vor dem Mikrofon gegenüber der öffentlichen Anerkennung bewiesen.

Seit dem Alter von neun Jahren spielt die junge Berlinerin deutsche Synchronisationen für Filme und Serien aus anderen Sprachen. Zu ihren bekannteren Auftritten gehören ihre Rolle in der Animationsreihe "Star Wars: Die Abenteuer der jungen Jedi", im Sci-Fi-Film "Guardians of the Galaxy Vol. 3", in der Fortsetzung zum Film über die Minionen "Ich – Einfach unerbittlich 4", in der Netflix-Romantikserie "Nobody Wants This" und natürlich in der Kinderfernsehshow "Peppa Wutz" sowie in der ARD-Verfilmung des Astrid-Lindgren-Klassikers "Ronja Räuberin". Das sind lediglich einige der herausragendsten Beispiele unter vielen.

Jede Woche besucht Asya das Synchronstudio.

Jede Woche verbringt die Schülerin aus der achten Klasse Zeit im Synchro-Studio, so auch im von EuroSync In Berlin-Marienthal, wo sie sich jetzt befindet, um über ihre außergewöhnliche Arbeit zu reden. Der Raum ist klein und relativ düster; an diesem Märztag dringt gerade so viel Sonnenschein durchs Fenster herein. Ein Mikrophon, ein Bildschirm, ein Tablet sowie technisches Gerät auf einem Tisch sind vorhanden. Hinter einer Glaswand sitzen die Regisseure – hier belebt sie Figuren wie Ronja Räuberstochter zur Geltung kommen.

Die Serie, welche ursprünglich Schwedisch ist, startet nun bei der ARD in ihrer zweiten Staffel, während sie in anderen Ländern über Netflix zu sehen ist. Sie war eine umfangreiche Produktionsarbeit, und ein wichtiger Bestandteil davon ist Asya, die die deutschsprachige Stimme für die Hauptrolle beiträgt. In einem Studiokomplex in Berlin stimmte sie stundenlang diese Szenerien nach, wobei ihr Ton am Anfang eher reserviert war, sich jedoch im Verlauf unseres Gespräches zunehmend lockerte. Gleichzeitig werden nur wenige Meter entfernt SpongeBobs engster Freund, der Meeresstern Patrick, eingesprochen. Als wir uns zum Kaffeetrinken treffen, stoßen wir auf den Darsteller von Patricks Stimme, Fritz Rott, der eben seine Mittagspause nutzt. Er fing damit an, nicht ganz so jung zu sein wie Asya.

Wie hast du actually zur synchronisierten Sprecherei kommen können, Asya?

Meine Mutter arbeitet ebenfalls als Sprecherin, und ich hatte stets das Verlangen, sie im Studio zu begleiten. Schließlich fing ich mit neun Jahren an und später erhielt ich schrittweise die bedeutenderen Rollen.

Ganz ohne weiteres anzufangen, erscheint dies - nun ja - unkompliziert. In Wirklichkeit ist es jedoch viel komplexer. Da Mutter Yasemin Tolaz berufsbedingt als Synchronsprecherin tätig ist und ihr Vater Produzent ist, hatten sie natürlicherweise einen Einfluss auf den Weg der 13-jährigen Asya. Sie unterstützten ihre Tochter beim Anfassen von ersten Aufnahmetasks und stellten diese später auf einer Seite für Synchronisierer online. Zunächst erhielt Asya vor allem kleine Rollen, bis schließlich größere Partien folgten, einschließlich ihrer Besetzung in der Neuauflage des Astrid-Lindgren-Films.

Das Synchron-Gen befindet sich innerhalb dieser Familiengruppe.

Der Hang zur Synchronisation scheint also familiär verankert zu sein. Auch die jüngere Schwester von Asya, nun neun Jahre alt, spielt bereits seit drei Jahren Rolle für Kinder im Zeichentrickfilm, berichtet ihre Mutter. Ständig nimmt die ganze Familie an verschiedenen Vorhaben teil. In den aktuellen Folgen der Serie "Peppa Wutz" zum Beispiel übernimmt Asya die Stimme des Schweinmädchens namens Peppa Wutz, während Yasemin Tolaz die Stimme von Mama Wutz beiträgt und die kleinere Schwester von Asya die Stimme von Schorsch, dem kleineren Bruder von Peppa Wutz, leihet.

Asya hat definitiv noch kein Sprech-Coaching gemacht. „Für mich war es vom Beginn an nicht schwierig zu sprechen“, erklärt sie. Sie betont, dass ihre extensive Lektüre ihr dabei helfen konnte. In ihrer Jugend genoss sie die Abenteuer von Pippi Langstrumpf, während sie heutzutage vor allem Kriminalromane von Agatha Christie liest. Letzte Zeit widmete sie sich dem Werk "Schuld und Sühne" von Dostojewski. Sonst bemüht sie sich lediglich, bei der Synchonisation den Tonfall aus der ursprünglichen Serie so genau wie möglich nachzuahmen.

Ganz und gar nicht einfach, insbesondere wenn das Originaleinzelstück eine Sprache verwendet, die man nicht beherrscht – wie zum Beispiel "Ronja Räubertochter". ImStudio hängt ein Bildschirm an der Wand. Dort wird Asya jede Szene präsentiert. Ihr Tablet zeigt dabei den deutscheren Textanzeiger an. Sie erläutert die Methode des Vorgehens damit. Anschließend muss sie diesen korrekt synchronisieren.

Wie gehst du vor, wenn du die Sprache nicht beherrschest?

Andere Sprachen außer dem Englischen können etwas komplizierter sein, da es oft schwerfällt zu wissen, welche Wörter jeweils gemeint sind und worauf speziell Wert gelegt wird. Allerdings fällt auf, was gerade kommuniziert werden soll, also was die Figur mit ihren Äußerungen ausdrücken möchte oder wie sie sich im Moment fühlt.

In die Perspektive eines anderen einzutauchen, ist nicht nur für Darsteller wichtig, sondern auch für synchronisierte Sprachaufnahmen, zumindest meint dies Asya. Einige Charaktere lassen sich ihr sehr einfach einprägen, während andere etwas mehr Zeit benötigen. Sie erwähnt jedoch, dass sie gleich von Anfang an mit der Rolle der Ronja Räuberstochter verbunden war und diese bislang ihre Favoritin bleibt - obwohl Pippi Langstrumpf eventuell den Vorzug vor dieser Figur bekommen könnte, falls je eine weitere Verfilmung stattfinden würde.

Was schätzt du am meisten an "Ronja Räubertochter"?

Nur ihrer selbstsicheren, unabhängigen Art. Sie verfügt außerdem über einen guten Sinn für Humor, und das schätze ich sehr an ihr. Sie ist wirklich cool.

Dass sie ihrer Figur des Räuber-Mädchens ihre Stimme verliehen hat, eine Rolle, die bereits Mitte der 80er Jahre mit der Veröffentlichung des Buches unzählige Herzen von Kindern gewonnen hatte, war für viele Menschen in ihrem Bekanntenkreis bis zur Ausstrahlung der ersten Staffel im Dezember noch unbekannt.

Hast du das Gefühl, dass deine Mitschüler es nicht bemerken, wenn du eine neue Rolle einnimmst?

Es gefällt mir nicht besonders, wenn jemand dieses Thema anschneidet. Für mich ist das völlig unterschiedlich – da gibt es die Schule und den Sync-Bereich. Ich rede jedoch oft mit meiner engsten Freundin über diese Dinge. Einige Mitschüler haben mich übrigens zu Weihnachten entdeckt, als sie im Wohnzimmer „Ronja“ guckten. Sie schickten mir eine Nachricht: "Asya, bist du etwa Ronja?" Und ich antwortete: "Ja, ich bin der Stimme von Ronja."

Etwas ähnliches findet Asya bei der Figur, die sie so sehr bewundert: diese ruhige Unabhängigkeit sowie die Begeisterung und Neugierde – stattdessen für verschiedene Rollen und Stimmen anstelle des Waldes und seiner Bewohner. Zu viel Anerkennung bringt sie aus dem Konzept. An jenem Nachmittag berichtet ihre Mutter vom Studiobesuch und teilt mit, dass Asyas Fehler beim Einsprechen extrem selten sind, sogar noch seltener als ihren eigenen. Die Tonassistentin stimmt zu. Lächelnd blickt Asya unsicher weg.

Doch wenn sie Passagen aus "Ronja Räubertochter", "Peppa Wutz" oder der maturen Dramedy "Unprisoned" vorträgt, nimmt sie dies freudig an und unterstreicht ihre Worte durch Gesten mit ihren Händen. Ihre Stimme variiert stets in Bezug auf Energiestrukturm abhängig von der jeweiligen Rolle. Wer die Augen schließt, kann fast glauben, nicht mehr im winzigen Studio zu stehen, sondern direkt am Drehort des Films neben der Figurenstatt Asya zu sitzen.

Trotz ihrer beeindruckenden Karriere mit zahlreichen bekannten Film- und TV-Rollensprechanweisungen im Alter, bleibt Asya auf der Straße unbemerkt. Das liegt daran, dass Synchronsprecher oft übersehen werden. Jeder kennt Brad Pitt, aber wenige kennen seinen deutschen Sprecher Tobias Meister.

Meinst du, es ist okay, dass man dich nicht erkennen kann?

Ja, das halte ich durchaus für richtig. Mir erscheint die Arbeit am Mikrofon genauso faszinierend wie dem Schauspielen gegenüberzustehen, hauptsächlich wegen des fehlenden Drucks, live vor einer Kamera aufzutreten. Man kann sich dahinter verstecken und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag leisten. Das Unbekannt bleiben finde ich super.

Und wie schaffst du es, die Zeit zwischen deiner Schule und dem zu finden?

Oft denkt man, dass es besonders schwierig sei, nach der Schule erneut dorthin zu kommen. Ich betrachte das jedoch mehr als eine Art von Hobbys. So ähnlich wäre es, wenn ich drei Mal die Woche nach dem Unterricht Basketball trainieren oder Klavierspielen üben würde. Mir bereitet dies lediglich Freude und daher erscheint es überhaupt nicht mühsam für mich. Allerdings achten wir - vor allem meine Eltern lachen dabei oft darüber - dafür darauf, dass ich während Phasen mit Klausuren geringere Verpflichtungen habe. Ansonsten läuft alles wunderbar ab, sogar was Hausaufgaben angeht.

Sie wird ihnen deswegen nicht entkommen, genauso wenig wie dem Unterricht aufgrund ihres außergewöhnlichen Hobbyes. „Leider nein“, antwortet sie lachend. Wie oft sie tatsächlich wöchentlich insStudio geht – ob drei Mal oder weniger – ist stets von den Rolle abhängig, die sie spielt. Für „Ronja Räubertochter“ musste sie während der ersten Staffel etwa 100 Aufnahmen pro Episode machen. Das macht für eine Staffel aus sechs Episoden zusammen 600 Aufnahmen, und das erscheint schon als ziemliche Anzahl. Doch für Asya scheint dies kein Problem zu sein: „Ich habe circa 100 Takes innerhalb von zwei bis zweiundzwanzig halben Stunden erledigt", erklärt sie. Ihre Mutter Tolaz könnte Recht haben, wenn sie meint, dass ihre Tochter keine großen Wiederholungsbereiche benötigt. Zudem bringt sie es sogar mal pro Woche fertig, zum Klavierauftritt zu gehen.

Stellst du dir vor, dass das Synchronsprechen eines Tages wirklich deine Karriere werden könnte?

Ja, absolut. Ich grüble oft über meine zukünftigen Schritte nach und mir ist klar, dass ich die Synchronisation nicht aufgeben möchte. Insbesondere deshalb, weil ich im Laufe der Zeit erfahreicher werden und eine breitere Palette an spannenden Charakteren vermitteln kann. Derzeit bin ich zwar hauptsächlich als Stimme für Kinder tätig, aber diese Rolle wird irgendwann enger gesteckt, da es einfach weniger bedeutende Figuren für Kinder gibt als für erwachsene Darstellerinnen. Aus diesem Grund plane ich, diesen Weg fortzusetzen.

Egal ob als Hobby nebenbei oder hauptberuflich, die Achtklässlerin hat noch genügend Zeit, um sich für eine solche Entscheidung zu entscheiden. Im Moment freut sie sich darauf, die zweite Staffel von "Ronja Räubertochter" anzusehen. Für sie ist dies äußerst spannend, da sie im Studio weder sehen noch hören kann, wie das Endergebnis aussieht. Darüber hinaus kennt sie nur ihren eigenen Part. "Die Serie schaue ich mir tatsächlich so zum ersten Mal an, bloß dass meine Stimme darin zu hören sein wird", erklärt sie. Ihre Stimmlage wirkt weich und zart - ähnlich wie die ihrer literarischen Vorbild-Astrid Lindgren-Charaktere -, doch gleichzeitig spiegelt sie auch einen Hauch von Stolz wider.

Die dritte Saison von "Ronja Räubertochter" wird ab dem 18. April in der ARD-Mediathek und auf diesem Plattform verfügbar sein. neuen Kinderprofil der Mediathek Abrufbar. Das Erste zeigte zudem am 20. April ab 17:15 Uhr die ersten drei Episoden auf dem Bildschirm und legte den Fokus am 21. Dezember ab 17:45 Uhr auf die letzteren drei Folgen.

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