Neue WLZ-Serie
Außergewöhnliche Berufe im Landkreis Waldeck-Frankenberg: Falknerin Jana Zulauf
Viele Kinder fantasieren darüber, eines Tages mit Tieren zusammenzuarbeiten. Die Falknerin Jana Zulauf vom Falkenwachtstand am Edersee bietet einen Blick hinter die Kulissen ihrer Arbeit mit Greifvögeln und teilt Aufschluss darüber, was man beachten sollte, wenn man berufsbedingt mit Tieren zu tun hat.
Edertal-Hemfurth: „Falknerin zu sein, ist kein Beruf. Für mich ist es vielmehr eine Leidenschaft“, sagt Jana Zulauf. Sie habe ihre Falkner-Prüfung 2014 mit Erfolg bestanden. Diesen notwendigen Schein habe sie im Rahmen ihrer Ausbildung zur Revierjägerin absolviert. „Nur wer einen Jagdschein hat, darf den Schein zum Falkner machen“, erläutert die 32-Jährige. Das hänge damit zusammen, dass der Schein zur Balzjagd berechtige, also zur kontrollierten Jagd mit Greifvögeln auf kleine Wildtiere.
„Den Beruf kann man nicht selber lernen, man muss einen erfahrenen Falkner bei der Arbeit begleiten. Vor allem aber braucht es sehr viel Geduld mit den Vögeln. Man muss ein Verständnis dafür entwickeln, dass die Vögel die Chefs sind“, betont die Falknerin und fügt hinzu: „Sie geben uns ihre Zeit und wir müssen uns daran erinnern, dass diese Zeit nur geliehen ist. Wir müssen es als ein Geschenk sehen, das nicht selbstverständlich ist. Es ist jedes Mal aufs Neue eine Ehre, dass die Greifvögel bereit sind, mit uns zusammenzuarbeiten.“
Falkner versorgen die Greifvögel artgerecht und überwachen deren Gesundheitszustände. Sie betreuen Brutpaare während der Aufzucht und beobachten die Brutpflege. Außerdem päppeln sie vernachlässigte Jungvögel wieder auf und entlassen sie, sofern möglich, in die Freiheit. Das Ausbrüten der Eier im Inkubator und die Brut von Hand aufzuziehen sind ebenfalls feste Bestandteile der Arbeit. Oft werden auch verletzte Vögel aller Art aufgenommen und gesund gepflegt. Hierbei ist es das Ziel, die Vögel schnellstmöglich wieder auszuwildern.
Die Auffangstation an der Greifenwarte am Edersee wird gemeinnützig betrieben. Jana Zulauf sagt dazu: „Wir erhalten hierfür kein Geld, die Auffangstation liegt uns aber sehr am Herzen.“ Inzwischen könne man alle Arten von verletzten Vögeln an der Station abgeben. „Für Schwäne, Gänse oder Störche kümmern wir uns dann um einen anderen Platz, da wir diesen Tieren bei uns nicht gerecht werden können“, ergänzt die 32-Jährige.
Flugvorführungen am Edersee
Jana Zulauf und ihr Mann André möchten während der Vogelschau im Wildpark am Edersee die Besucher mit dem Lebensverhalten der einheimischen Greifvögel vertraut machen und sich für den Erhalt dieser Tierarten einbringen.
Auf die Frage, wieso die Greifvögel bei den Flugvorführungen nicht wegfliegen, sondern zurückkommen, antwortet die Falknerin: „Die Vögel brauchen uns Menschen nicht. Dass sie nach jedem Freiflug wiederkommen, liegt in erster Linie an der Vertrauensbasis sowie an ihrer Eigenschaft als Energiesparer. Von Natur aus haben sie keine große Lust zu fliegen. Eigentlich fliegen sie nur, wenn sie es müssen – zum Beispiel in der freien Natur, um sich auf Nahrungssuche zu begeben.“
Die Falknerin berichtet, dass es eine der häufigsten Meinungen der Besucher sei, dass die Vögel hungern müssten, damit sie bei den Flugprogrammen mitmachen würden. „Wir dürfen unsere Vögel niemals hungern lassen. Sie sind immer satt – nicht überfressen, aber gut gesättigt. Bei den Flugvorführungen am nächsten Tag haben die Vögel zwar Appetit, wirklich hungrig sind sie aber nicht“, erklärt Jana Zulauf.
Ein großer Teil der täglichen Arbeit besteht im „Abtragen“ der Vögel. Hierbei sitzen die Vögel auf dem Arm des Falkners und gehen mit diesem spazieren. Jana Zulauf erklärt, dass die Vögel auf diese Weise das Gelände besser kennenlernen. Zudem böten die Spaziergänge eine hervorragende Gelegenheit, das Verhalten der Vögel zu beobachten. So lasse sich schnell erkennen, ob ein Vogel beispielsweise vor einer Gruppe von Kindern zurückschrecke oder diese nicht weiter beachte. „Für uns ist dieses Wissen enorm wichtig. Hat ein Vogel beispielsweise Angst vor Kindern, können wir ihn unmöglich in einer unserer Vorführungen fliegen lassen“, sagt die Falknerin.
Der Falkner-Schein berechtigt auch zum Züchten von Greifvögeln. Familie Zulauf plant, den Bestand des Rotmilans mit einer eigenen Zucht voranzutreiben. Hierbei gehe es darum, die Elternvögel beim Aufziehen ihrer Jungen möglichst alleine zu lassen und die jungen Vögel, sobald diese alt genug seien, auszuwildern. „Wir möchten mit der geplanten Zucht auf keinen Fall Profit erwirtschaften“, betont die Falknerin.
Es ist jedes Mal aufs Neue eine Ehre, dass die Greifvögel bereit sind, mit uns zusammenzuarbeiten.
Falknerin Jana Zulauf
Neue WLZ-Serie
Traditionelle und einzigartige Berufe, von denen nur wenige wissen oder die im Gedächtnis der Menschen verloren gegangen sind. Fachbereiche, die sich in den letzten Jahren hinzugesellt haben: In unserer neuen WLZ-Reihe präsentieren wir zu nicht festgelegten Zeiten ungewöhnliche Arbeitsfelder. Als Erstes zeichnen wir das Porträt der Falknerin Jana Zulauf.