Auf Instagram präsentieren sich Prominente und Freunde als KI-generierte Actionfiguren. Besonders die älteren Generationen jubeln über diese Reduktion auf Klischee-Muster und konventionelle Attribute. Was ist dahinter?
Die ständige Bespiegelung unserer eigenen Auswirkungen bringt uns Menschen allmählich zum Wahnsinn. Und nein, darum geht es hier nicht. Generation Z Es dreht sich um die Boomer sowie ihre unmittelbare Generation nach ihnen, die momentan in den sozialen Medien eine neue Art des Selbstdarstellens findet. Statt Fotos von Reisen im Pariser Look oder Backrezepten für Sauerteigbrot teilen diese Menschen nun Bilder von sich als retroartige Spielzeugfiguren. Diese Figuren werden durch KI erzeugt, sind vollständig digital und erscheinen dabei jedoch so echt, dass man beinahe das Knistern ihrer Verpackungen wahrnehmen könnte. Auf Instagram starren einem Prominente aus dem Business-Bereich (B-Promis), Autoren, Komiker, Künstlerinnen, Freunde und Bekannte entgegen.
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Politiker Winfried Kretschmann Posierte in kleiner Ausführung zusammen mit dem Buch über Hannah Arendt, einer Heckenfranse und einem Freiburger Schal, der Schriftsteller David Wagner Mit Brille, Buch und Schreib Utensilien sowie einer Schauspielerin Brooke Shields Mit Sticker Sets und Hunden. Allerdings braucht man nicht unbedingt ein Prominentenstatus zu haben, um so etwas zu tun. In Freiburg stellen beispielsweise Angehörige der Feuerwehr sowie die Mediziner der Uniklinik alle ihre hyperrealistischen Plastikgesichter zur Schau – oder wie das aktuellste Modetrend im Online-Bereich genannt wird: sie agieren als „individualisierte Action-Figuren“.
Mutwilliger Gestus
Die Inszenierung erinnert an einen Rückschritt zum Mittelalter, wenn man die Funktion und Relevanz der gezeigten Figuren, Heiligen und Spender durch visuelle Attribute erklärt. Diese frühere Notwendigkeit hat sich im heutigen Kontext zu einem bewussten Stilmittel entwickelt: sich selbst definieren und demonstrieren, wer man ist - sei es mit Laptops, Büchern, Fansachen, Autos oder Windeln. Oft handelt es sich bei diesen Darstellungen um überforderte Mütter, aber auch stolze Väter präsentieren gerne ihre Hobbies.
Hierbei liegt eine eigenartige Befriedigung vor, die eher an Werbung von Sparbanken aus den neunziger Jahren erinnert als an aktuelle Entwicklungen im Bereich Künstliche Intelligenz: „Mein Haus, mein Auto, mein Boot“. Heute lautet dieser Spruch jedoch anders: „Mein Buch, mein Rennrad, mein Craft-Bier“ oder auch: „Meine Designerhandtasche, mein Parfum, meine Babypinne“.
Genau die Über-fünfzig-Jährigen zeigen eine überraschend große Bereitschaft, sich auf Stereotype und konventionelle Eigenschaften zurückzugewandeln. Was ist eigentlich aus jenen geworden, die behaupten, nicht digitale Einheimisch geboren zu sein und daher umso größer ihr intellektuelles und kreatives Potenzial sei? Aus denen, die gerne über die wilde Zeit der Neunzigerjahre sprechen und völlig sicher in ihrer eigenen Fähigkeit sind? Beklagenswert wird kaum bemerkt, dass sie ohne Zögern ihre Daten preisgeben (denn schließlich braucht die Künstliche Intelligenz auch Nahrung) und wie viel Energie all diese digitalen Gerätschaften verbrauchen.
In all dem Elend unserer Verkleinerung verbirgt sich ein paradoxer Gedanke: Obwohl wir glauben, dass Technologie und künstliche Intelligenz uns individualisieren werden, resultiert daraus am Ende eine zunehmende Homogenität. Diese scheinbare Einmaligkeitsqualität durch die KI ist nicht wirklich Ausdruck von Eigenständigkeit, sondern lediglich eine weitere Form des Stereotypischen.