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Viele Hürden

Die Augenoptikerin vom Dorf im Wüstenland: Marokkanerin überwindet Hindernisse für ihren beruflichen Start

Aus einer kleinen Gemeinde im marockanischen Wüstengebiet stieg Smahane El Mrabet schließlich zur Optikerin auf und kam letztendlich nach Weilheim. Ihr Weg war weit und voller Herausforderungen. Heute könnte sie die erste Augenoptikerin in Deutschland sein, die ihre Ausbildung außerhalb des EU- sowie des Schengener Raums absolviert hat.

vor zwei Jahren "haben wir eine schwere Phase überwunden", erklärt Johanna Förster, die Assistentin ihres Bruders und Geschäftsleiters Florians, bei dem optische Ware verkauft wird und sich am Weilheimer Marienplatz befindet. Plötzlich verließen vor einem Jahr zehn Prozent ihrer zwölfköpfigen Besatzung den Betrieb – einige dieser langjährigen Angestellten wechselten ihre Karrierepfade, andere schritten ins Ruhealter ein. „Einige unserer älteren Beschäftigten haben nebenher gearbeitet, nachdem sie offiziell pensioniert waren, doch mein Bruder und ich mussten uns damit abfinden, dass dies zu einer Arbeitsbelastung von 50 bis 80 Stunden pro Woche führt“, fügt sie hinzu.

Vor dem Haus hatte man gelegentlich einen neuen Kollegen auf einem traditionellen Anzeigetafel „Wir suchen Mitarbeiter“ entdeckt. Trotzdem erzielten viele Stellenausschreibungen in den sozialen Medien keine große Resonanz, wie es die Försters gehofft hatten. „Es gab durchaus eine Menge an Antworten, jedoch war der Großteil davon nutzlos", erklärt Johanna Förster. Ihr Bruder fügt hinzu: "Manche von ihnen hatten überhaupt kein Studium in Optik absolviert und einige sagten lediglich, sie würden alles machen." Erst als Smahane El Mrabet Kontakt aufnahm.

„Es ist sehr schwierig, als Optikerin in Marokko eine Stelle zu finden.“

Die 27-jährige wuchs gemeinsam mit ihren drei Schwestern und ihrem Bruder in einem Dorf mit nur hundert Einwohnern im marockanischen Hinterland auf. Trotzdem zeigte sie bereits frühzeitig großes Engagement und verfolgte eindeutiges berufliches Ziel: Sie wollte Optikerin werden. "Daran habe ich mich stets stark interessiert", erklärt El Mrabet. Im Jahr 2021 beendete sie erfolgreich ihre Ausbildung zum Fachoptiker sowie zur Optometristin mit dem Diplom und ergänzte dies durch einen Bachelorabschluss in Sozialwissenschaften. Allerdings erwies sich die Suche nach einer Stelle als Optikerin in Marokko als äußerst schwierig für sie, wie sie selbst zugeben muss. Während Praktikumsplätze möglich waren, erhielt sie keine festangestellene Position.

Daher entwickelte sich bei El Mrabet der Wunsch, das Land zu verlassen. Nicht etwa nach Frankreich, obwohl dies nahegelegen hätte – immerhin arbeitet dort schon ihre Schwester im IT-Sektor und beherrscht fließend Französisch sowie Arabisch und Englisch. Vielmehr entschied sie sich für Deutschland: „Das Reich der Maschinen“ nennt sie es lächelnd. Sie setzte sich daher mithilfe einer Sprachapp eigenständig mit Deutsch auseinander und erreichte den Niveaubereich B1, was einen guten Sprachtalent impliziert, jedoch noch kein uneingeschränktes Sprechen ermöglichte.

Mit diesem Hintergrund begann sie ihre Suche nach einem Arbeitgeber in Deutschland. "Die Übersetzung aller Dokumente erforderte sehr viel Arbeit", erklärt El Mrabet. Sie sandte über hundert E-Mails aus - und endlich gab es bei den Försters Interesse an ihrer Bewerbung. "Selten hatte ich eine Bewerbung erhalten, deren Qualifikationen so ausgezeichnet waren", teilt Johanna Förster mit. Das Vorstellungsgespräch via Zoom fanden sie im Frühling 2024 statt, und schon bald wurde deutlich, dass beide Seiten bereit dazu waren, gemeinsam zu arbeiten.

Vieles steht im Weg, bevor die Anerkennung erreicht wird.

Aber damit begann für den Förster wirklich die eigentliche Arbeit. DerAufwand, um eine Optikerin aus Nordafrikain Deutschland anzuerkennen, erwies sich als enorm. Siehat viele Stellen kontaktiert, bis ihnen letztlichüber dieHandwerkskammer einGleichwertigkeitsprüfungeverfahrendurchgeführt werdenkonnte,das daranging,zu prüfen,ob die Fähigkeiten äquivalent waren. Ausbildung Vergleichbar damit ist die Situation in Deutschland. Schließlich wurde El Mrabet schließlich als Teil-Qualifikant eingeordnet. In den ersten neun Monaten in Deutschland hat sie die Möglichkeit zur Nachqualification im Betrieb. „Zumindest in Bayern Ist sie wirklich die erste Optikerin aus? EU "Aus dem Ausland und sogar aus Deutschland hatte keiner je über einen ähnlichen Fall gehört", erklärt Johanna Förster.

Bis dahin jedoch mussten zahlreiche Hindernisse gemeistert werden. Johanna Förster hatte während der letzten neun Monate regelmäßig Kontakt zu El Mrabet und half ihr, jedes Mal neuen Herausforderungen standzuhalten. "Schließlich bin ich auf die Abteilung für Migranten mit Fachkenntnissen gestossen. Dieser Dienstleister, der unsere 400 Euro tatsächlich lohnenswert macht, hat sich um sämtliche Abläufe gekümmert", berichtet Johanna Förster enthusiastisch.

Seit einem halben Monat im Einsatz

Auch eine vorübergehende Wohnung in Weilheim konnten die Försters für das 27-jährigen Mädchen finden. Letzte Woche endlich erreichte es ihren Höhepunkt, als El Mrabet mit nur zwei Koffern am Bahnhof von Weilheim ankam, bereit für ihr neues Kapitel. Seitdem arbeitet sie dort, beobachtet ihre Kollegen bei der Arbeit und lernt sehr schnell. Selbst alltagsnahe Aufgaben am Computer erregen ihre Begeisterung: "In Marokko werden viele Dinge immer noch manuell dokumentiert", erklärt sie und lacht dabei.

El Mrabet will zunächst klein anfangen und sich langsam mit den Abläufen vertraut machen. „Es gibt noch sehr viel zu lernen", ist ihr bewusst, insbesondere fehlte während ihres Studiums der praktische Bezug. Bereits jetzt arbeitet sie daran, ihren sprachlichen Standard auf Stufe B2 zu verbessern. Und wer so viele Hindernisse gemeistert hat, der erkennt: In neun Monaten wird Smahane El Mrabet eine vollewertig anerkannte Optikerin sein.

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