Zunächst ist es ein Termin, der ignoriert wird, danach fällt die Fokussierung zunehmend aus. Der sprachliche Ausdruck verschwindet langsam. Phase für Phase kann man die eigene Familie und Freunde nicht mehr erkennen - öfter und länger geschieht dies. Die Charakteristik ändert sich. Bei Patienten mit Alzheimer setzt eine schrittweise Abbauprobe von Neuronen im Hirn ein. Dieser Prozess erstreckt oft Jahr um Jahr.
Im Jahr 1906 wurde die Erkrankung zum ersten Mal wissenschaftlich dokumentiert. Bis heute verfügt man über keine Heilmethode für Alzheimer. Seit vielen Jahren forschen Wissenschaftler daraufhin, wirksame pharmakologische Behandlungen zu finden, um wenigstens das langsamer Fortschreiten und Sterben der Neuronen einzudämmen. Bisher gab es keinen bedeutenden Durchbruch. Dennoch besteht nun neuer Optimismus.
Lecanemab: Ein Antibody für die Behandlung von Alzheimer
Es ist nicht so, als ob jemand ein Allheilmittel gegen die Alzheimer-Krankheit entdeckt hätte, das diese Krankheit vollständig stoppt oder heilt. Dennoch: Am Dienstag hat die Europäische Kommission zum ersten Mal eine Therapie zur Behandlung von Alzheimer genehmigt. Bereits im Endfebruar hatten sie bereits diesbezüglich etwas erwähnt. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat das Medikament befürwortet. , das sich den Mechanismen und Ursachen der Alzheimer-Krankheit selbst widmet – statt nur die Symptome im Verlauf zu mildern.
Der Aktivstoff wird als Lecanemab bezeichnet, mit dem Markenname Leqembi, das von dem amerikanischen Unternehmen Biogen und dem japanischen Pharmakonzern Eisai erstellt wurde. Dieses Medikament ist ein Antikörper, der die Eiweiße im Gehirn – genannt Amyloidfibrillen oder Beta-Amyloid-Plaques – abbaut. In einfachen Worten schützt es spezielle Neuronen vor Zerstörung durch diese Proteinablagerungen.
Gemäß der EMA-Stellungnahme könnte durch die Therapie das Ausmaß von kognitiven und funktionellen Beeinträchtigungen reduziert werden. Das bedeutet im Klartext, dass die Krankheit mindestens teilweise abgebremst werden kann. Die Applikation des Antikörpers erfolgt relativ kompliziert: Sie findet alle zwei Wochen als Intravenöseinfusion statt.
Lecanemab eignet sich nicht für jeden.
Viele Patienten und deren Liebende könnten durch diese Information neue Hoffnung schöpfen. In unserem Land leben mindestens 1,8 Millionen Personen mit einem Diagnose von Alzheimer. Angesichts der zunehmenden altersbedingten Bevölkerung wird sich dieser Zahlenkranz vermutlich weiter erhöhen - schließlich steigt das Risiko für Alzheimer mit dem Alter dramatisch an. Laut Abschätzungen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft könnte die Anzahl der betroffenen Menschen ab 65 Jahren in Deutschland bis zum Jahr 2050 auf bis zu 2,7 Millionen zulegen.
Lecanemab eignet sich jedoch nicht gleichmäßig gut für all diese Patientengruppen. Mediziner gehen davon aus, dass in unserem Land nur etwa zehn Prozent der geschätzchten 250.000 Menschen jährlich an Alzheimer erkranken könnten für eine Lecanemab-Therapie in Frage kommen. Das Stadium der Krankheit spielt dabei eine wesentliche Rolle: Nur Erwachsene mit dem klinischen Befund "eine leicht ausgeprägte kognitive Beeinträchtigung sowie ein schwacher bis mittelgradiger Demenzstatus" sind zur Behandlungsunterstützung berechtigt, wie die EMA betont.
Dies bedeutet also: Das Medikament kann lediglich dann seine Wirkung entfalten, falls bei den Betroffenen noch keine irreversible Hirnschädigung aufgetreten ist. Aber wer überprüft dies? Laut der Alzheimer Gesellschaft sollten die Diagnosestellung und die Bewertung des Krankheitszustands ausschließlich durch erfahrenes medizinisches Personal sowie Spezialisten für Neurologie und Psychiatrie erfolgen. So genannte Gedächtniskliniken bilden hierbei insbesondere fachkundige Einrichtungen sowohl für diagnostische Maßnahmen als auch für therapeutische Behandlungen.
Auch Patienten, die zwei Exemplare des Gens Apo-E4 aufweisen, fallen nach den Empfehlungen der EMA nicht unter diesen Anwendungsbereich. Etwa fünfzehn Prozent aller Personen mit Alzheimer leiden an dieser genetischen Besonderheit. Bei ihnen wäre das Auftreten schwerwiegender Nebenwirkungen wie Hirnblutungen eher wahrscheinlich – dies würde als zu riskant eingestuft werden.
Trotz des generellen Rückgangs von Nebenwirkungen im Vergleich zu vorherigen Studien mit ähnlichen Wirkstoffen, traten bei 17 Prozent der TeilnehmerInnen in der Zulassungsstudie solche Reaktionen auf. Laut der Alzheimer-Forschungsinitiative Zu Hirnschwellungen. Obwohl diese meist frei von Symptomen waren, "müssen Hirnschwellungen dichtmakelhaft überwacht werden, um lebensbedrohliche Komplikationen wie eine Hirnblutung zu vermeiden". Die Behandlungsetappen erfordern regelmäßige MRT-Prüfungen für die Patienten.
Hat Lecanemab bei Frauen eine geringere Wirksamkeit?
Obwohl die EMA andere Personengruppen weiterhin offen hält: In Deutschland gehen Experten davon aus, dass bestimmte Gruppen möglicherweise nicht für Lecanemab infrage kämen. Zum Beispiel Personen, die Antikoagulantien einnehmen oder deren Bluthochdruck noch nicht optimal reguliert ist. Für diese Patienten könnte das Risiko von Blutungen eventuell gesteigert sein.
Auch Frauen könnten von Lecanemab weniger profitieren, da der Wirkstoff beim weiblichen Geschlecht möglicherweise schwächer ausgeprägt ist. Etwa sechszig Prozent aller Alzheimer-Patientinnen fallen ins weibliche Bevölkerungssegment. Dies verdeutlichte Linda Thienport vom Alzheimer-Forschungsinitiative gegenüber dem Science Media Center. Befunde hierfür stammen aus einer klinisch validierten Phase-3-Studie, welche der Produzent bereits bei der EMA angereicht hat. Die Studie umfasste 1795 Probanden mit leichten Formen der Alzheimer-Dementia und erstreckte sich über einen Zeitraum von mehr als 18 Monaten.
„Wir benötigen Arzneimittel mit stärkerer Wirkung.“
"Lecanemab ist kein Wundermittel", fasste Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, zusammen. Dennoch deuteten die Studienergebnisse darauf hin, dass Menschen im frühen Stadium der Krankheit mit Hilfe von Lecanemab etwa sechs Monate ihrer Lebensspanne hinzugewinnen könnten und länger im sehr frühen Stadium demenzbedingter Symptome entrückt bleiben würden. "Dies allein hat bereits eine Bedeutung", erklärte Berlit. Somit könnte die Zulassung für eine bestimmte Personengruppe tatsächlich als positive Entwicklung betrachtet werden.
Man möchte im medizinischen Bereich ebenfalls weitere Erkenntnisse über derartige monoklonale Antikörper gewinnen, und dies sei nur dank einer Zulassung durch die Europäische Union möglich, erklärte Berlit. Insbesondere fehlen noch Beobachtungsstudien zum Lecanemab, um die Auswirkungen nach einem Testzeitraum von 18 Monaten aufzuzeigen. "Es steht außer Frage: Wir benötigen Arzneimittel, welche effektiver sind." Dafür seien auch zusätzliche Forschungsarbeiten notwendig, um bessere therapeutische Ansätze zu entwickeln.
Lecanemab könnte den Beginn darstellen. Aber man darf nicht übersehen werden: 45 Prozent aller Erkrankungen an Demenz können lediglich durch vorbeugende Maßnahmen vermieden oder verzögert werden. Berlit macht auf eine Studie hin, die letztes Jahr in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht wurde und 14 Risikofaktoren identifiziert hat, die statistisch betrachtet stärker mit Demenz zusammenhängen. Zu diesen Faktoren gehören unter anderem mangelnde Ausbildung, Hörlosigkeit, Hirnerschütterungen, Hochblutdruck, erhöhter Alkoholgenuss, Übergewicht, Tabakrauch, Depressionszustände sowie seelischer Stress, soziale Einsamkeit, Verschmutzung der Luft, fehlender Körperbetrieb und Diabetes im Alter.
Bislang wird Lecanemab noch nicht in Deutschland eingesetzt. Doch mit seiner Zulassung könnten nun erste Therapien möglich sein. Gemäß der Alzheimer-Forschungs-Initiative müssten potenziell elegible Patienten individuell auf Herz und Nieren geprüft werden, wofür es spezielle Programmen geben soll.
Wir haben den Artikel zuletzt am 15. April 2025 überarbeitet.